AKTIONEN

16. Januar 2016: Präsentation der Ausstellung zum „Öffentlichen Bürgergarten der Erinnerung“ im Walther-Rathenau-Gymnasium Berlin  +  6. November 2015: Gedenkfeier vor der Baustelle an der Wissmannstraße 11 für Arthur Barasch, ermordet im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau  +  6. Januar 2015: Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin, vernichet den ältesten angelegte Garten in Grunewald und verhindert dadurch eine Holocaust-Gedenkstätte für die Familie Barasch – die in Kalifornien lebenden Enkel lehnen jede Form des Gedenkens an ihre Eltern und Großeltern ab  +  22. Dezember 2014: Eintrag zur Firmengeschichte auf der Homepage von Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin über seine Bautätigkeit im Jahr 1939 für die „Organisation Todt“  + 19.-26. Januar 2015: Politisches Projekt mit Jugendlichen bei „denk!mal 2015“ im Abgeordnetenhaus von Berlin  +   5. Brief des Vereins an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin  +  4. Brief des Vereins an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin  +  1. Fassadenprojektion „Heimatbesuch der Familie Barasch“  +  3. Brief des Vereins an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin zum Kauf des Gartengrundstücks  +  2. Brief des Vereins an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin zum Kauf des Gartengrundstücks  +  1. Brief des Vereins an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin zum Kauf des Gartengrundstücks  +  Zwei Patenschaften für den Bürgergarten: Gedenkstätte Sachsenhausen und Walther-Rathenau Gymnasium  +   Das erste politische Bildungsprojekt mit der Schule startete Anfang September  +   2. Brief der Familie Barsch-Ross an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin  +  Gedenktafel der Familie  +   Bauvorhaben und Fällantrag von Ralf Schmitz Immobilien  +  Noch stehen die Bäume  +  1. Briefe von Politik, Freunden, Förderern und der Familie Barasch-Ross an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin  +  Fluchttagebuch von Werner Barasch  +  Interview mit Werner Barasch  +  Erinnerungen von Lili Laksberger  +  Kunstprojekte für den Bürgergarten  +  Gedenkfeier im Garten am 14. März 2014  +  Gedanken von Tito Ross  +  Brief von Lili Laksberger  +  Nachruf auf Else Barasch-Ross

Am 16. Januar 2016 wurde die vierteilige Ausstellung zum „Öffentlichen Bürgergarten der Erinnerung“ zur Geschichte der Familie Barasch mit einem Hinweis auf die Zerstörung des Gartens und die Verhinderung der Holocaust-Gedenkstätte durch Ralf Schmitz Immobilien am Tag der offenen Tür im Walther-Rathenau-Gymnasium Berlin präsentiert (siehe dazu hier auch 19.-26. Januar 2015). 

Am 6. November 2015 fand vor der Baustelle auf dem Grundstück Wissmannstraße 11 eine Gedenkfeier für Arthur Barasch statt. Erst im Juli 2015, also nach 73 Jahren, fanden sich im Archiv Auschwitz-Birkenau zwei Dokumente, die seinen Tod am 6. November 1942 dort eindeutig belegen. Bis dahin galt er als „nach dem Verschollenheitsgesetz für tot erklärt“ oder als „im Konzentrationslager Sachsenhausen verstorben und auf Staatskosten eingeäschert“.

Familie Barasch im Garten

Arthur Barasch mit seiner Frau Irene und den Kindern Werner und Else in ihrem Garten Wissmannstraße 11 (1936)

Im Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945 steht, was an Arthur Baraschs Todestag geschah:

6. November 1942

Der Häftling mit der Nummer 67396 wird bei einem Fluchtversuch erschossen.

Die Nummern 73048 bis 73218 erhalten 171 männliche und die Nummern 23584 bis 23642 erhalten 41 weibliche mit einem Sammeltransport angelieferte Häftlinge.

Mit dem 40. Transport des Reichsicherheitshauptamtes aus Frankreich sind 1000 jüdische Männer, Frauen und Kinder eingetroffen. Nach der Selektion werden 269 Männer, die die Nummern 73219 bis 73487 erhalten, sowie 92 Frauen, die die Nummern 23625 bis 23716 erhalten, als Häftlinge in das Lager eingewiesen. Die übrigen 639 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Während des Appels wird festgestellt, dass zwei Häftlinge fehlen. Ein Häftling wird von der SS-Bereitschaft während der Suchaktion gefunden.

Am Nachmittag wird im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau festgestellt, dass ein Häftling fehlt. Ein Dutzend russischer Kriegsgefangene sollen das Gelände des im Bau befindlichen Abschnitts nach dem Fehlenden durchsuchen. Als sie sich aus dem Lagerbereich entfernen, unternehmen die russischen Kriegsgefangenen, die sich auf eine solche Gelegenheit vorbereitet haben, unter Hurrarufen eine Massenflucht. Die einbrechende Dunkelheit und die große Zahl ermöglichen es den Flüchtenden, dass viele die große Postenkette durchbrechen können.

6. Januar 2015: Die Zerstörung des ältesten angelegten Garten Grunewalds und die Verhinderung einer Holocaust-Gedenkstätte: Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA,  Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin lässt die Bäume fällen.

Am 5. Januar informierte Ralf Schmitz Immobilien die Anwohner schriftlich über die Bauvorbereitungen auf seinem Grundstück Wissmannstraße 11. Dazu teilte er mit, dass er die Eingriffe in den Baumbestand des Grundstücks auf das Nötigste reduzieren würde. An diesem Tag standen im Garten noch ca. 40 Bäume.

Am 6. Januar begann am Morgen die Baumfällung. Um 10 Uhr waren bereits mehr als 30 Bäume abgeholzt. Überall im Garten schwirrten die Vögel umher auf der Suche nach ihren Nistplätzen. Bis zum 23. Januar wurden die letzten hohen, alten Bäume gefällt. Selbst Bäume, die auf dem 1.500 qm großen Grundstück den Bau einer Luxusvilla in keinster Weise beeinträchtigt hätten, weil sie im hinteren Teil des Gartens standen, wurden abgeholzt.

Damit ist der Garten, der der jüdischen Familie Barasch gehörte, die ihn 1938 durch Enteignung verlor und in dem an sie stellvertretend an das Leid der Juden im 2. Weltkrieg erinnert werden sollte, endgültig vernichtet. Nun kann Ralf Schmitz Immobilien die geplante Luxusvilla mit drei Wohnungen bauen. Fachleute vermuten einen Gewinn in Höhe von 2 Millionen Euro.

In Immonet.de vom 8. Juni 2015 findet sich folgendes Verkaufsangebot von Ralf Schmitz Immobilien für eine der drei Wohnungen in der Wissmannstraße 11:

„Kaufpreis 2.190.000,00 € – Wohnfläche ca. 195 m2. Exklusiv steht den Bewohnern des Hochparterre ein weitläufiger Garten mit teils altem Baumbestand zur Verfügung.“

Und noch am 12. Dezember 2015 bietet das Unternehmen die teils aus Betonplatten erstellte Dachgeschosswohnung zum Kauf an. Im Tagesspiegel  inseriert Ralf Schmitz Immobilien:

Zimmer 6  –  m2 195  –  Preis 2.190.000

Wissmannstraße 11: Elegante Wohnetage (Penthouse) in direkter Nähe zum Königssee gelegen…

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Siehe dazu auch den auf dieser Homepage unter „Presse“ eingestellten Fernsehbericht von tv.berlin vom 15. Januar 2015: Interview von Agnes Fischer mit Hans Obermeier, Pressesprecher von Ralf Schmitz Immobilien GmbH und Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin und Geschäftsführer von LessingvonKlenze Kommunikationsberatung GmbH München (und früher u.a. Sprecher der Westdeutschen Landesbank WestLB). 

Ebenso unter „Presse“ zum Bericht im Neuen Deutschland vom 24. Dezember 2014 bereits vermerkt, wurde Hans Obermeier, Pressesprecher von Ralf Schmitz Immobilien, im persönlichen Gespräch mit Barbara Gstaltmayr und Tom Mustroph am 19. November 2014 folgendes im Namen von Toni Ross (Enkelin von Artur und Irene Barasch) mitgeteilt:

„Die Familie Barasch-Ross lehnt jede Form des Gedenkens (z.B. durch eine Gedenktafel) an ihre Familie durch Ralf Schmitz Immobilien ab, wenn dieser den Garten in der Wissmannstraße 11 zerstört und dadurch den „Öffentlichen Bürgergarten der Erinnerung“ verhindert.“

Siehe dazu: www.neuesdeutschland.de/artikel/956496.gedenken-ist-kein-luxus.html
und unter „Aktionen“ den 5. Brief des Vereins vom 30.12.2014 an Ralf Schmitz Immobilien GmbH & Co. KGaA)

Bilder des zerstörten Gartens vom 6. bis 23. Januar 2015

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Am 7. Februar 2015 fand sich auf der Homepage von Ralf Schmitz Immobilien GmbH und Co. KGaA., Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin unter „Projekte – Berlin“ sowie folgend in den Immobilienanzeigern diverser Tageszeitungen das Foto einer dreistöckigen Villa in der „Wissmannstraße 11, Berlin-Grunewald“, die beidseitig und im halben Hintergrund von grünen Bäumen umrahmt ist. Sogar auf einer großflächigen Werbetafel vor der Baustelle, wo das Fehlen der Bäume eindeutig zu erkennen ist, ist dieses Foto zu sehen. Einzig die Rotbuche sowie eine kleine Tanne sind nicht gefällt worden. Alle anderen Bäume sind nicht vorhanden. In der Realität sieht das Grundstück so wie auf diesen Bildern aus.

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Bei einem Besuch der Homepage von Ralf Schmitz Immobilien GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin am 22. Dezember 2014 stellten wir folgenden Eintrag zur Firmengeschichte fest. 

„1939

Dienstverpflichtende Einbindung des Unternehmens in die Organisation „Todt“. Bauausführungen im Rahmen des sogenannten Westwalls, des Bunkerbaus sowie der Errichtung von Flughäfen.“

Die Organisation „Todt“ war eine nach militärischem Vorbild organisierte Bautruppe, die den Namen ihres Führers Fritz Todt (1891-1942) trug, und die unter anderem beim Ausbau des „Westwalls“, des „Atlantikwalls“, von U-Boot-Stützpunkten, Flugplätzen, Flagtürmen, Abschussrampen von V1- und V2 Raketen sowie Luftschutzanlagen in Deutschland und in den besetzten Gebieten tätig war. Wurden zu Beginn die Arbeiten vor allem von Freiwilligen ausgeführt, so wurden ab 1942 vermehrt Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, ab 1943/44 zunehmend auch KZ-Häftlinge sowie Häftlinge aus Arbeitserziehungs- und anderen Gefangenenlagern des NS-Regimes eingesetzt. (Wikipedia, 2014)

In der von Wolfgang Schäche und David Pessier erstellten Dokumentation „Architektur und Handwerk – Bauten der Unternehmerfamilie Schmitz 1864-2014“ steht dazu:

„Der politische Umbruch in Deutschland 1933, der die Nationalsozialisten an die Macht und damit tief greifende Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse brachte, wirkte sich auch auf das Schaffen des Kempener Baubetriebes aus, der nun verstärkt für staatliche Institutionen tätig wurde. Im Zuge der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 – als Teilaspekt der massiven Aufrüstungsbestrebungen – erhielt die Heinrich Schmitz KG beispielsweise die Aufträge zur Errichtung mehrerer Kasernen, so etwa in Dortmund, Münster oder Lüdenscheid. Hierauf folgte in den Jahren nach der Besetzung des demilitarisierten Rheinlandes durch Wehrmachtstruppen der Bau umfangreicher Bunker- und Verteidigungsanlagen am sogenannten Westwall bei Trier und Aachen – dessen Errichtung ebenfalls im Kontext der Kriegsvorbereitung durch die Nationalsozialisten zu sehen ist. Primär die vermehrten öffentlichen Aufträge waren es auch, welche 1936 zum Kauf des Fabrikgeländes einer ehemaligen Schraubenfabrik an der St. Huberter Straße in Kempen führten, da der bisherige Standort am Burgring für den wachsenden Baubetrieb zu klein geworden war. Am Ende der 1930 er Jahre gab zudem der älteste Bruder der Enkel-Generation Heinrich (jun.) seinen Dienst als Regierungsbaurat auf und trat ebenfalls in das Unternehmen ein, “um seine Erfahrungen von jetzt ab nur für das eigene Haus zu verwerten“.

„Die Phase des Aufschwungs endete jedoch durch den von der nationalsozialistischen Politik heraufbeschworenen und forcierten Zweiten Weltkrieg. Zunächst kamen das private sowie das zivile Bauen vollständig zum Erliegen. Während des Krieges stand die Heinrich Schmitz KG dann im Dienst der dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition unterstellten Organisation Todt (OT) und wirkte an der Errichtung von nicht näher benannten Flugplätzen und Bunkern mit, die sich dem Tätigkeitsbereich der OT entsprechend vermutlich sowohl innerhalb Deutschlands als auch in besetzten Gebieten befanden. Schließlich resultierte aus ihm der Verlust der Werk- und Lagerhallen auf dem Firmengelände am Burgring, dem ersten Kempener Standort des Unternehmens, die bei Bombenangriffen so stark zerstört wurden, dass man sie nicht wieder aufbaute.“

Quelle: https://www.yumpu.com/de/document/view/39927199/architektur-und-handwerk/61 978-3-86859-354-9

Eike Geisel schreibt in „Juden im Widerstand – Drei Gruppen zwischen Überlebenskampf und politischer Aktion – Berlin 1939-1945“

„Bekannt ist, was die SS gemacht hat. Aber ein noch immer gut gehütetes Betriebsgeheimnis nationalsozialistischer Herrschaft ist die Tatsache, dass es sich bei ihr um die erste Form moderner bürgernaher Herrschaft gehandelt hat. Denn die Massenverbrechen waren nicht nur Verbrechen von Massen, sondern auch Verbrechen an Massen. Ohne die tätige Mitwirkung ganzer Branchen wie des Dienstleistungsgewerbes, ohne die Mitwirkung vieler Berufsgruppen wie Ingenieure und Architekten, ohne die Angehörigen des Öffentlichen Dienstes, ohne die tatkräftige Unterstützung durch die Wehrmacht, ohne Wissen und Mitwirkung dieser Millionen Menschen hätten nicht Millionen Menschen umgebracht werden können.

Zwar gab es, wie Hannah Arendt schrieb, nur wenige Menschen, die die Verbrechen aus vollem Herzen bejahten, dafür aber eine genügend große Anzahl, die absolut bereit waren, sie dennoch auszuführen. Bei soviel Bürgerbeteiligung fiel es schwer, die Untaten nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Über die enge Komplizenschaft zwischen Verbrechern, Mittätern, Handlagern und Zuschauern heißt es bei Hannah Arendt: „Denn während das deutsche Volk nicht über alle Verbrechen der Nazis informiert und sogar vorsätzlich über deren genaue Art in Unwissenheit gehalten wurden, hatten die Nazis doch dafür gesorgt, dass jeder Deutsche von irgendeiner schrecklichen Geschichte wusste. Er braucht also gar nicht alle in seinem Namen verübten Untaten genau zu kennen, um zu begreifen, dass er zum Komplizen eines unsäglichen Verbrechens gemacht worden war.“

Deutsche Vergangenheit Band 87, Herausgeber Wilfried Löhken und Werner Vathke, Berlin 1993

Sybille Steinbacher notiert dazu in: Auschwitz, München 2004, S. 82 und 83

Das Deutsche Reich zog selbst aus den Toten (eingefügt: Juden) Profit: Zahngold wurde eingeschmolzen und barrenweise an die Reichsbank überstellt … Asche wurde nicht nur als Dünger ausgebracht, sondern auch als Füllmaterial bei Straßen- und Wegebau und zur Wärmeisolation für Lagerbauten verwendet.

Das Raubgut (eingefügt: der Deportierten) war Staatseigentum: Geld und Edelmetall erhielt die Reichsbank, Textilien, Schuhe und Hausrat gingen an volksdeutsche Umsiedler; auch die IG Farben, die Organisation Todt, die Reichsjugendführung und verschiedene Konzentrationslager wurden damit bedacht.

19.-26. Januar 2015: Politisches Projekt mit Jugendlichen bei „denk!mal“ im Abgeordnetenhaus von Berlin

Vom 19. – 26. Januar 2015 fand im Abgeordnetenhaus von Berlin das Jugendforum „denk!mal’15“ statt. 900 Jugendliche stellten künstlerische und politische Arbeiten gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus vor. Ihre Projekte riefen den Besuchern ins Gedächtnis, dass unzählige Menschen im Nationalsozialismus mitten aus dem Leben gerissen wurden – sie wurden verletzt, ausgegrenzt, deportiert, misshandelt und getötet.

Der „Öffentliche Bürgergarten der Erinnerung e.V.“ realisierte zusammen mit SchülerInnen des Walther-Rathenau-Gymnasiums zwei Projekte.

Vom 19.-26. Januar berichteten wir im Foyer auf vier Wandtafeln über das Leben der Familie Barasch in der Wissmannstraße 11 bis zu ihrer Enteignung 1938, wir zeigten Auszüge aus dem Fluchttagebuch des Werner Barasch und Dokumente über das nicht geklärte Schicksal des Vaters Artur Barasch. Eine Tafel ist der Entstehungsgeschichte und den Zielen des „Öffentlichen Bürgergartens der Erinnerung e.V.“ gewidmet und enthält Informationen über die Zerstörung des Gartens durch Ralf Schmitz Immobilien.

Am 22. Januar führte der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses Ralf Wieland namhafte Vertreter aus Politik und Gesellschaft durch die Ausstellung.

Ausstellung

Bei der Abendveranstaltung am 22. Januar im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses präsentierten sechs SchülerInnen die Lesung „Das Tagebuch des Werner Barasch“. Sie war umrahmt von Musik, einem Film über den Garten sowie von Erinnerungen des Werner Barasch über seine Kindheit in seinem Elternhaus in der Wissmannstraße 11 (aufgenommen 2001 im Rahmen eines Interviews des „Bay Area Holocaust Survivor Oral History Project“- auf dieser Homepage als Video eingestellt unter „Geschichte“) und einem Live-Interview mit seiner in Kalifornien lebenden Cousine Lili Laksberger vom Dezember 2014.

Unsere Wandtafeln sind als Wanderausstellung konzipiert und werden in Berliner Schulen und politischen Einrichtungen gezeigt. Auch die Lesung wird zu geeigneten Anlässen wiederholt.

Link zur Lesung: http://denkmal-berlin.de/2015/aktuell/szenische-lesung-das-tagebuch-des-werner-barasch/

Am 30. November 2014 schreibt der Verein „Öffentlicher Bürgergarten der Erinnerung e.V.“ zum 5. Mal an Ralf Schmitz Immobilien GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin.

 

Sehr geehrter Herr Daniel Ralf Schmitz,

wir erinnern uns gut an unser Treffen am 21. März 2014 mit Ihnen und Herrn Dr. Wolf-Ruthard Born (Staatssekretär a.D. und Aufsichtsratsmitglied der Ralf Schmitz Immobilien GmbH & Co. KGaA ) im Cafe Reinhards in der Königsallee 56.

Sie berichteten uns, wie sehr Sie von Werner Baraschs Buch „Entronnen – eine autobiografische Skizze der Jahre 1938-46“ beeindruckt waren (das Buch hatte Barbara Gstaltmayr Ihrem Mitarbeiter Timo Schmidt am 2.12.2013 übergeben) und dass dies für Sie die Geschichte eines Helden sei.

Wir sind im Zuge unserer Recherchen auf ein Interview gestoßen, das Werner Barasch am 14. November 2001 im Rahmen des „The Bay Area Holocaust Oral History Project“ in San Francisco gab. In diesem 2-stündigen Gespräch erzählte er vom Leben seiner Familie in Breslau und Berlin sowie über die Jahre seiner Flucht von 1938-1946. Sie finden den Hinweis dazu unter: http://collections.ushmm.org/search/catalog/irn511705. Es wird in Kürze wieder online sein.

Hier offenbart sich etwas, was in seinem Buch nicht zu lesen ist. Immer dann, wenn Werner Barasch über seine gelungenen Fluchten oder seine Fluchtversuche berichtet, strahlt sein Gesicht, er sieht wieder aus wie der Junge, der es seinen Verfolgern und Peinigern gezeigt hat: „Ich bin stärker als Ihr, ich lasse mich von Euch nicht vernichten, Ihr kriegt mich nicht.“

Als Werner Barasch seine Flucht beginnen musste (er war am 19. Mai 1919 geboren), war er gerade 19 Jahre alt. Er hatte in diesen sieben Jahren der Flucht vor den Nazis erst einmal alles verloren: sein Heimatland, sein Zuhause in der Wissmannstraße 11 in Grunewald, seine Eltern, seine Schwester Else und 1942 endgültig seinen Vater, von dem er nach einem Brief, der ihn in einem spanischen Internierungslager erreichte, annehmen musste, dass er sich am 6.11.1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen in den Stacheldraht geworfen hatte, um Freitod zu begehen (was möglicher Weise nicht stimmt, denn zu diesem Zeitpunkt waren bereits alles Juden nach Auschwitz deportiert worden und es ist eher wahrscheinlich, dass Artur Barasch in diesem großen Vernichtungslager ermordet wurde).

Nun kann man nicht immer Zeiten und Biografien umstandslos vergleichen. Aber manchmal ist eine Projektion von Lebenslinien und -verläufen doch interessant. Werner Barasch war wie Sie ältester Sohn eines Kaufmanns (Herr Obermeier pflegt als Ihr Pressesprecher immer von „uns Kaufleuten“ zu reden; daher die Analogie; und Häuser verkaufen Sie ja schließlich auch). In seiner prägenden Phase als später Teenager und junger Twen hatte Werner Barasch allerdings nicht die gleichen Entfaltungsmöglichkeiten, die Sie als Sproß der Familienfirma Schmitz sicherlich hatten.

Dass der Zeitstrahl auf der Homepage Ihres Familienunternehmens über die Bautätigkeit in den Jahren 1929-1945 keine Auskunft gibt und es sich erst wieder auf dem Baumarkt zurück meldet mit: „Um mit dem Wiederaufbau nach dem Krieg zu helfen, tritt Hieronymus Schmitz in die Firma seines Bruders ein, die nun in dritter Generation geführt wird“, wollen wir in diesem Zusammenhang nur der Vollständigkeit halber erwähnen und keine weiteren Schlussfolgerungen ableiten. Zu dieser Zeit waren Sie schließlich noch nicht geboren.

Erinnern aber, auch an die Zeiten vor unserer Geburt, ist nun mal eine Aufgabe von uns Deutschen. Deshalb: 1945 – welche Aufgabe oder welches Schicksal liegt dazwischen: der eine, Hieronymus Schmitz baut auf, der andere, Werner Barasch, landet am 8. Mai 1945, an dem Tag, an dem der 2. Weltkrieg vorbei ist, in dem 6 Millionen Juden ihr Leben verloren haben, in Philadelphia in den Armen seiner Mutter.

Wenn Sie, Herr Daniel Ralf Schmitz, sich das Interview mit Werner Barasch vergegenwärtigen, wie möchten oder können Sie dann noch von einem rechtmäßigen Kauf des Grundstücks Wissmannstraße 11 sprechen, von dem Werner als einem Ort der Geborgenheit in seiner Kindheit spricht?

Wie könnten Sie es biografisch vor sich rechtfertigen, wenn Sie diese 1.500 Quadratmeter, die der Familie Barasch vor Ihrer Enteignung gehörten, zerstören, in dem Sie die Bäume abholzen, um eine Luxusvilla zu erbauen?

Sie verlangen von unserer Initiative bis zum 24.12.2014 ein Finanzierungsangebot inclusive eines Verwendungsnachweises für das Gartengrundstück, obwohl Sie wissen, dass wir keine Villa bauen und keine Wohnung kaufen, sondern einen „Öffentlichen Bürgergarten der Erinnerung“ zum Gedenken an die Familie Barasch und stellvertretend für sie an das Leid der jüdischen Bevölkerung errichten möchten. Und obwohl Sie wissen, dass unser Verein kein eigenes Vermögen hat, sondern die Summe, die Sie sich erwarten, aus öffentlichen Fördermitteln akquiriert werden müsste, hüllen Sie sich um die Summe, deren Höhe bei der Beantragung angegeben werden müsste, weiterhin in Schweigen. Ihr Pressesprecher Hans Obermeier nannte für eine von Ihnen zu verkaufende Wohnung den Preis von ca. 2 Millionen Euro. Daraus schließen Fachleute bei 3 Wohnungen die Reingewinnsumme von ca. 2 Millionen Euro für Ihr Unternehmen.

Wir sind nach wie vor bereit für ein Treffen, um mit Ihnen die Eckdaten und Zeiträume auszuloten, in denen wir öffentliche Gelder akquierieren können, um das Gartengrundstück von Ihnen, dem aktuellen Eigentümer, zu erwerben.

Am 25. November 2014 war ein von Ihnen beauftragter Sachverständiger des Sachverständigenbüros Löschmann und Schneider hier auf dem Grundstück Wissmannstraße 11 und in unseren Wohnungen, um die Bausubstanz der Villa und des Gartenhauses zu prüfen und um auszuschließen, dass bei Baumassnahmen durch Ihr Unternehmen im Nachhinein Gebäudeschäden angezeigt werden könnten.

Zuvor ließen Sie am 3.11.2014 den Standort der Rotbuche durch eine Ausspülung ihrer Wurzeln prüfen, um herauszufinden, ob sie den Abriss der historischen Grundstücksmauer beeinträchtigen könnte, damit Sie eine Ihrem Bauvorhaben gemäße neue Einfassung, so erklärte Ihr Bauleiter Barbara Gstaltmayr, errichten können.

Dabei haben wir erfahren, das Sie den Baubeginn zum März 2015 planen. Dies würde bedeuten, dass die Bagger und Sägen in den kommenden Wochen anrücken, um die Bäume zu fällen, denn die neue Nistzeit beginnt am 1. März 2015. Sie müssten also vorher abholzen.

Die terminlichen Angebote für ein Gespräch mit uns sind Ihnen seit unserem letzten Brief vom 21. November 2014 bekannt. Wir erwarten Ihr Angebot, viel Zeit bleibt Ihnen bis zum 5. Dezember nicht.

Aber auch der 24. Dezember muss ja nicht Ihr letzter Tag für einen Besinnungswechsel sein.

Die Chance liegt bei Ihnen!

Mit freundlichen Grüßen

Barbara Gstaltmayr und Tom Mustroph

Am 19. November 2014 trafen sich Barbara Gstaltmayr und Tom Mustroph mit Hans Obermeier, dem Pressesprecher von Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA – Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin und Geschäftsführer der Kommunikationsagentur LessingvonKlenze, damit er dem Verein „Öffentlicher Bürgergarten der Erinerung e.V.“ im Namen von Daniel Ralf Schmitz ein Update zum Planungsstand für die Wissmannstraße 11 geben kann. Die Antwort des Vereins dazu lautet:

Sehr geehrter Herr Schmitz, sehr geehrter Herr Obermeier,

besten Dank für das Gespräch mit Ihnen, Herr Obermeier. Schade, dass Sie nicht dabei sein konnten, Herr Schmitz. Danke zunächst auch dafür, dass Sie in Ihrem derzeitigen Arbeitsablauf dem Projekt „Öffentlicher Bürgergarten der Erinnerung e.V.“ die Chance einräumen, sich bei Ihnen als Investor zu bewerben.

Folgende Dinge nehmen wir aus dem Gespräch mit:

Für die Firma Schmitz ist das Erinnerungsprojekt an eine jüdische Familie, die während der Zeit des Nationalsozialismus um ihren Besitz gebracht wurde, dessen Familienoberhaupt im Konzentrationslager ermordet wurde und die in ihrer überlebenden Gesamtheit aus Deutschland emigrierte, absolut gleichrangig mit Interessenten, die für ihre Familie eine gediegene Heimstatt suchen.

Herr Obermeier wies im Gespräch zwar an einzelnen Stellen darauf hin, dass das Bürgergartenprojekt doch ein ungewöhnliches im Vergleich zu anderen Interessenten sei; letztlich sah er den „Öffentlichen Bürgergarten der Erinnerung e.V.“ aber dennoch auf der gleichen Ebene wie alle anderen Bewerber.

Das ist aber nicht der Fall. Abgesehen von der Dimension von aktiver Erinnerung und der Zukunft zugewandtem Gedenken, die diesem Projekt innewohnen können, richtet sich das Interesse unserer Initiative nicht auf den Erwerb von Wohnungen. Es orientiert sich vielmehr am unbebauten Zustand des Objekts. Jetzt schaffen Sie gewissermaßen vollendete Tatsachen. Wir müssen es als Hinhaltetaktik Ihrerseits werten, erst zu einem solch späten Zeitpunkt zu einem Gespräch empfangen worden zu sein.

Es gibt noch einen weiteren Unterschied zu den anderen potenziellen Bewerbern. Der Bürgergarten kann nur mit öffentlichen Mitteln erworben werden. Für die Akquise öffentlicher Mittel ist eine exakte Kostengröße anzugeben. Diese Angabe, die sich auf die Ablösung der Eigentumsrechte der Firma Schmitz an dem Grundstück und etwaiger bisher angefallener Erschließungs- und Projektierungsarbeiten bezieht, verweigerten Sie bislang trotz mehrfacher Nachfrage.

Wenn Sie uns jetzt das Angebot machen, bei Ihnen bis zum 24. Dezember ein schriftliches Angebot mit einem vorgesehenen Kaufpreis als Verhandlungsgrundlage, die Verwendungsabsichten bezüglich des Grundstücks, den vorgesehenen Zeithorizont einer Transaktion und einen Finanzierungsnachweis einzureichen, fügt sich dies leider in die von Ihnen betriebene Hinhaltetaktik harmonisch ein.

Wir akzeptieren, dass die Firma Schmitz die aktuelle Eigentümerin des Grundstücks ist und dort nach eigenem Ermessen operieren kann. Wir möchten Sie aber auch daran erinnern, dass Rechtslage nicht immer den Prinzipien von Gerechtigkeit und Moral entspricht. Wie Sie sicherlich wissen, hatte auch einer Ihrer Vorgänger als Eigentümer des Grundstücks, Herr Franz Großmann, seinen Erwerb vom einem Notar der damaligen Zeit bestätigt bekommen.

Derzeit, erlauben Sie uns diese Analogiebetrachtung, ist auf dem Gebiet der Bildenden Kunst, sogar noch viel mehr in Bewegung; am Umgang mit der sogenannten Raubkunst wird deutlich, wie sich heute juristische Perspektiven dem Empfinden von Gerechtigkeit annähern. Museen sind zur Provenienzforschung angehalten. Einige von ihnen trennten sich im Laufe der letzten Jahre von Kunstwerken, die sie jahrzehntelang in ihren Sammlungen führten, die ihnen Ansehen und Einnahmen aus der Präsentation verschafften. Sie pflegten und bewahrten sie auch, steckten Arbeit, Geldmittel und Fürsorge in diese Objekte. Trotzdem, eingedenk der Vorgeschichte des Unrechts, trennen sie sich jetzt von diesen Objekten. Oder sie vereinbaren Entschädigungszahlungen. Diese Institutionen werden sich ihrer Verantwortung immer stärker bewusst.

Nun sind Kunst und der Kunstmarkt nicht dasselbe wie Immobilien und der Immobilienmarkt. Auch beschränkt sich die Bewegung in Sachen Raubkunst bislang vor allem auf öffentliche Institutionen.

Leider haben Sie, Herr Schmitz, mit Ihrer bisherigen Verhaltensweise gegenüber dem Projekt „Öffentlicher Bürgergarten der Erinnerung e.V.“ einen solchen verantwortungsbewussten Schritt, wie ihn derzeit zahlreiche Direktoren von Museen und Sammlungen vollziehen, nicht erkennen lassen. Wir hoffen natürlich, dass Sie sich noch anders besinnen und möchten Ihnen die Gelegenheit dafür einräumen. Daher suchen wir nach wie vor um ein persönliches Gespräch mit Ihnen nach.

(Die hier von uns genannten Terminvorschläge sind Herrn Daniel Ralf Schmitz bekannt.)

Mit freundlichen Grüßen

Barbara Gstaltmayr                         Tom Mustroph

Vorsitzende                                       Stellv. Vorsitzender

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Am 23. Oktober 2014 schreibt der Verein „Öffentlicher Bürgergarten der Erinnerung e.V.“ an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin zum dritten Mal. Auch dieser Brief blieb von Ralf Schmitz unbeantwortet.

Sehr geehrter Herr Daniel Ralf Schmitz, sehr geehrter Herr Ralf Schmitz,

zu meinem Bedauern und dem meiner zahlreichen MitstreiterInnen erwarten Sie inzwischen das Baurecht, das Recht zur Fällung der Bäume sowie das Recht zur Aussetzung des Artenschutzes. Dann dürfen Sie bauen, heute oder später. Sie können das Grundstück auch weiter verkaufen und von einem anderen Investor bebauen lassen. Doch Sie müssen all das nicht.

In meinem Schreiben vom 1. September habe ich Sie darum gebeten, mit Herrn Professor Morsch (Direktor der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen), Herrn Mühlberg und Frau Scheffer (beide SPD) und mir als Vorsitzende des Vereins „Öffentlicher Bürgergarten der Erinnerung e.V.“ darüber zu sprechen, wie wir Ihnen mittels öffentlicher Fördermittel das Gartengrundstück abkaufen könnten. Wir möchten unsere Enttäuschung zum Ausdruck bringen, dass wir bis heute auf diesen Brief keine Antwort von Ihnen erhalten haben.

Wie Sie vielleicht über unsere Homepage wissen, lasen Schülerinnen und Schüler des Rathenau-Gymnasiums am 22. September beim Schulfest öffentlich aus dem Fluchttagebuch von Werner Barasch, aus Dokumenten zur Enteignung und Vertreibung der Familie Barasch von ihrem Grundstück Wissmannstraße 11, zum Tod von Artur Barasch und zur Vision des „Öffentlichen Bürgergartens der Erinnerung“.

Unser nächstes Ziel ist es, diese Lesung am 21. Januar 2015 im Abgeordnetenhaus von Berlin bei der jährlichen Veranstaltung „Denk mal“ zu präsentieren. Dort können Berliner Schulen und jugendpolitische Initiativen ihre Projekte gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus im Plenarsaal vorstellen. Bei dieser Veranstaltung möchten wir den Abgeordneten und der Öffentlichkeit zu Live-Musik auch Interviews mit den Nachkommen der Familie sowie einen in der Wissmannstraße 11 gedrehten Film zeigen.

Sie sehen, die Idee des „Öffentlichen Bürgergartens der Erinnerung e.V.“ lebt. Sie hat über die Lesung und über die Medien jetzt schon viele Menschen und damit ein wichtiges Ziel erreicht: die jüdische Familie Barasch hat in unserem öffentlichen und politischen Bewusstsein wieder einen Ort gefunden, Villa und Garten haben einen Teil ihrer bis vor wenigen Monaten verschollenen Geschichte zurück erhalten. Die Nachkommen in Kalifornien, drei Enkel, sechs Urenkel und eine Nichte wurden gefunden und nehmen Anteil an dem auch ihnen teilweise unbekannt gebliebenen Schicksal ihrer Eltern, Großeltern und Tante. Denn, so Antoinette Ross, Tochter von Else Barasch: „Auch in unserer Familie gab es ein Schweigen über die Zeit meiner Mutter, ihres Bruders und ihrer Eltern in Berlin.“

Dieses Schweigen bezieht sich auch auf Enteignung, Ausbürgerung, Flucht, Tod und über das Überleben und Leben in der neuen Heimat Kalifornien. Beschreibungen und Erinnerungen, die durch die nun gefundenen Dokumente aus den Archiven eine für die Nachkommen neue Erfahrung darstellen. Berliner Leben vor, während und nach der Zeit des Nationalsozialismus wird für sie auf schmerzhafte Weise neu lesbar.

Deshalb ist der „Öffentliche Bürgergarten der Erinnerung“ wichtig. Er gibt nicht nur der Familie Barasch, sondern auch uns Berlinerinnen und Berlinern sowie unseren internationalen Gästen die Möglichkeit, unsere deutsche Geschichte besser zu verstehen und gemeinsam in respektvoller und verantwortungs-voller Weise mit ihr umzugehen.

Aber der Garten gibt uns auch einen Ort des Trauerns. Denn allein der Tod von Artur Barasch, wo immer er gestorben ist, denn die Recherchen haben ergeben, dass er möglicher Weise nicht im KZ Sachsenhausen war, sondern vermutlich in Auschwitz ermordet wurde, rechtfertigt die Einrichtung einer Erinnerungsstätte, an der wir seiner gedenken. Denn sein Tod steht hier stellvertretend für die Millionen von jüdischen Toten.

Für die Notwendigkeit möchte ich Ihnen eine jüngst gemachte Erfahrung weiter geben. Im Berliner Telefonbuch gibt es vier Einträge mit dem Namen Barasch. Da ich hoffte, in der Stadt noch lebende Verwandte zu finden, habe ich vor kurzem diese Telefonnummern angewählt. Bei der ersten meldete sich eine junge Stimme, die freundlich sagte: „Nein, ich bin kein Verwandter der Grunewalder Familie Barasch.“ Bei der zweiten Nummer nahm niemand ab. Bei der dritten Nummer wieder eine angenehme Stimme, die interessiert nachfragte, jedoch eine Verwandtschaft verneinte. Bei der letzten Nummer die Stimme eines Herrn. Es schien, als ob er schon lange auf meinen Anruf gewartet hätte. Von Anbeginn verlief dieses Telefonat seinerseits in einem äußerst aggressiven Ton. „Ich weiß von Ihrer Aktion. Warum machen Sie das? Nein! Wir sind nicht verwandt mit der Familie Barasch. Sind Sie Jüdin? Warum machen Sie das?“ Und wieder: „Sind Sie Jüdin?“ Auf meinen ruhig formulierten Satz „Für die in Kalifornien lebenden Verwandten wäre es schön zu wissen, ob es in Berlin noch Verwandte gibt.“ bekomme ich die Antwort: „Also diese Stolpersteine, die hier überall herumliegen und die Masse der Deutsche wird überhaupt nicht gefragt. Überall machen die sich breit.“

Das ist ein Beispiel, das Sie als Unternehmer mit Ihrem Geschäftssitz am Kurfürstendamm bei den Ausschreitungen mit antisemitischen Parolen am 25. Juli erfahren haben dürften. Es zeigt uns, wie leicht scheinbar religiös definierter, jedoch politisch gewollter und unterstützter Fanatismus in Gewalt und Übergriffe münden kann. Und es zeigt uns, dass nur eine demokratisch ausgerichtete, politisch informierte und zivilisierte Gesellschaft stark ist gegen jeden Rechtsradikalismus.

In seinem Buch „Das Leben tiefer verstehen“ sagt der Dalai Lama:

„Wenn wir eine ich-zentrierte Einstellung zum Leben annehmen und ständig versuchen, andere zu unserem eigenen Interesse zu benutzen, können wir vielleicht kurzzeitigen Profit daraus ziehen, doch auf lange Sicht werden dann sowohl persönliches Glück als auch Weltfrieden unmöglich sein. In ihrem Streben nach Glück haben Menschen verschiedene Methoden angewandt, und allzu oft waren diese Methoden aggressiv und gnadenlos. Sobald wir erkennen, dass alle Lebewesen nach Glück streben und Leiden vermeiden wollen, ist es sowohl aus moralischer Sicht falsch, als auch aus pragmatischer Sicht unklug, nur das eigene Glück zu verfolgen und dabei die Gefühle und Ziele aller anderen Mitglieder unserer großen Menschheitsfamilie zu vergessen. Die anderen mit in Betracht zu ziehen, wenn wir unser eigenes Glück verfolgen, führt zu dem, was ich als „klugen Eigennutz“ bezeichne. Dieser „kluge Eigennutz“ wird sich hoffentlich in „Kompromiss-Eigennutz“ oder, noch besser, in „gegenseitigen Eigennutz“ verwandeln. … Wenn das zwanzigste Jahrhundert das Jahrhundert des Blutvergießens war, muss das einundzwanzigste Jahrhundert das Jahrhundert des Dialogs werden.“

In diesem Sinne appelliere ich an Sie als die Adressaten meines Schreibens, sich für einen Dialog zu öffnen.

In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich im Sinne des Wortes freundlich

Barbara Gstaltmayr

Geschäftsführerin

Am 1. September 2014 schreibt der Verein „Öffentlicher Bürgergarten der Erinnerung e.V.“ an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin zum zweiten Mal. Dieser Brief blieb bis zum heutigen Stand unbeantwortet.

Sehr geehrter Herr Daniel Ralf Schmitz, sehr geehrter Herr Ralf Schmitz,

vielen Dank für Ihr freundliches Schreiben vom 25. August 2014.

Ja, es ist in der Tat so, dass der beim Amtsgericht eingetragene Verein „Öffentlicher Bürgergarten der Erinnerung e.V.“ Interesse an Verhandlungen mit Ihnen über den Kauf des Grundstücks Wissmannstraße 11 in Berlin hat. Die Finanzierung soll über die öffentliche Hand erfolgen, d.h., der Verein möchte sie über die Stiftung Klassenlotterie akquierieren, die insbesondere gesellschaftspolitisch relevante Vorhaben fördert, die dem Bürger- und Gemeinwohl der Stadt dienen.

Auf diesem Hintergrund ist es richtig, dass die Finanzierung aktuell wie auch vorerst absehbar nicht besteht. Und eben deshalb habe ich Sie im Namen von Herrn Prof. Dr. Morsch, Herrn Mühlberg, Frau Scheffer um ein Treffen gebeten, in dem wir mit Ihnen besprechen möchten: über eine Verkaufssumme von 1.900.000 €, über das für die Akquierirung notwendige Zeitfenster und die Modalitäten, die einem Verkauf zugrunde liegen würden.

Der Stiftungsrat der Klassenlotterie ist besetzt mit Klaus Wowereit, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Mario Czaja (Senator für Gesundheit und Soziales), Dilek Kolat (Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen), Raed Saleh (SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin), Florian Graf (CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin) sowie Ramona Pop (Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen).

Ein eingereichter Antrag, der nicht auf dem Boden der Tatsachen steht und deshalb abgewiesen werden müsste, wäre für den Verein wie für Ihr Unternehmen ein schlechtes Renommée. Denn Glaubwürdigkeit bei den Zahlen und Fakten ist dort oberstes Gebot.

Um dieses Ziel gemeinsam mit Ihnen zu erreichen, müssten wir also wissen, ob Sie mit der vorgeschlagenen Summe von 1.900.000 € einverstanden und zufrieden wären. Wir müssten wissen, ob Sie uns genügend Zeit für den Antrag geben, wir müssten wissen, ob Sie uns ein Vorkaufsrecht einräumen u.v.a.m.

Das läßt sich nur in einem vertrauensvollen Miteinander klären. Wir sind uns darüber im Klaren, dass dies angesichts der von Ihnen beschriebenen Praxis der Transparenz und Einheitlichkeit mit Kaufinteressenten ein ungewöhnlicher Schritt für Sie wäre.

Aber gerade weil ja auch das Projekt „Öffentlicher Bürgergarten der Erinnerung“ ein ungewöhnliches Projekt ist, das gesellschaftlich wie politisch gewünscht wird, bitte ich Sie um den für die Realisierung unabdingbaren Dialog mit Ihnen, Herrn Prof. Dr. Morsch, Herrn Mühlberg, Frau Scheffer und mir.

Der Bauantrag ist ja noch nicht bewilligt, die Genehmigung zur Fällung der Bäume und zur Aussetzung des Artenschutzes sind noch nicht erteilt und wie Ihr Pressesprecher Herr Obermeier zu Frau Fischer von TV Berlin sagte, gibt es deshalb keinen geplanten Baubeginn und noch keine Kaufverträge. Es bliebe also genügend Zeit.

In Erwartung Ihrer baldigen, guten Anwort verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Barbara Gstaltmayr

Geschäftsführerin

Am 3. August 2014 schreibt der Verein „Öffentlicher Bürgergarten der Erinnerung e.V.“ an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin. Auf diesen Brief erhielt der Verein keine Antwort.

Sehr geehrter Herr Daniel Ralf Schmitz, sehr geehrter Herr Ralf Schmitz,

im Namen des Vereins „Öffentlicher Bürgergarten der Erinnerung e.V.“ möchten wir mit Ihnen über den Kauf des Grundstücks Wissmannstraße 11 in 14193 Berlin zum Preis von 1.900.000 € verhandeln.

Dieser setzt sich zusammen aus der Kaufsumme von 1.550.000 €, für die Sie das Grundstück erworben haben, und die Ihnen bisher wahrscheinlich entstandenen Kosten in Höhe von 350.000 €.

Wie wir Ihnen bereits mitgeteilt haben, möchten wir das Grundstück entsprechend seinem historischen Wert als ältester angelegter Garten in Grunewald erhalten. Öffentlich zugänglich soll er durch Berliner Bürgerinnen und Bürger bewahrt und gepflegt werden. Ziel ist zudem, dass er als Denkmal anerkannt wird, da er bereits in der Liste der denkmalwürdigen Einzelprojekte Grunewalds steht.

Das zweite Ziel dieses Projekts zielt auf die Einrichtung eines jüdischen Erinnerungsprojekts. Anhand der durch Werner Barasch in seinem Buch “Entronnen – autobiografische Skizze der Jahre 1938-1946“ dokumentierten Geschichte der Familie Barasch, die von 1921-1939 Eigentümer des Gartens war, sollen insbesondere junge Menschen Demokratie und Verantwortungsbewußtsein für unser Land erlernen, um so gegen jeglichen Rechtsextremismus gefeit zu sein.

Wie Ihnen bekannt ist, hat Prof. Dr. Morsch, Direktor der Gedenkstätte Sachsenhausen, wo Artur Barasch 1942 im Konzentrationslager ums Leben kam, eine Patenschaft für den Garten übernommen. Das Walther-Rathenau-Gymnasium wurde ebenfalls Pate, um Werner und Else Barasch, die vor ihrer Emigration ins Ausland zuletzt auf dieser Schule (damals Grunewald-Gymnasium) waren, zu ehren und bildungspolitische Projekte mit Schülern im oben genannten Sinn zu realisieren.

Angesichts dieser gesellschaftspolitischen Zielsetzungen ist bei dem Kaufpreis nicht an die Einstellung eines Gewinns für Sie gedacht. Wir möchten die hier genannte Summe über die öffentliche Hand akquirieren. Hier haben wir berücksichtigt, dass Gelder aus Kulturfonds sorgfältig im Sinne des Gemeinwohls der Stadt und seiner Bürger auszugeben sind.

Herr Prof. Dr. Morsch und die beiden SPD-Politiker Herr Mühlberg und Frau Scheffer hätten sehr gern vor diesem Schreiben mit Ihnen gesprochen, um Ihre finanziellen Erwartungen kennen zu lernen. Da Sie von Ihrer Seite aus dieses Gespräch nicht im Vorfeld führen wollten, haben wir einen Architekten zu Rate gezogen, der angesichts der uns bekannten Eckdaten die Summe ermittelt hat.

Wir bitten Sie um einen Termin, damit wir, Herr Prof. Dr. Morsch, Herr Mühlberg, Frau Scheffer und ich, mit Ihnen gemeinsam über dieses Angebot, die damit einhergehenden Modalitäten und Zeitfenster sprechen können.

Mit freundlichen Grüßen

Barbara Gstaltmayr

Geschäftsführerin

Zwei Patenschaften: Gedenkstätte Sachsenhausen und Walther-Rathenau-Gymnasium

Am 25. Juni 2014 übernimmt Prof. Dr. Günter Morsch für die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen – Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten – zu Ehren an Artur Barasch eine Patenschaft für den „Öffentlichen Bürgergarten der Erinnerung“.

Wann und wo Artur Barasch wirklich gestorben ist, ist bis heute nicht gewiss. Auf Antrag seiner Frau Irene wird Artur Barasch nach dem Verschollenheitsgesetz am 25. Juli 1947 für tot erklärt. Als Todesdatum werden der 6. November 1942 und das KZ Sachsenhausen als Ort seines Todes fest gelegt.

In Sachsenhausen gibt es jedoch keine Hinweise auf Artur Barasch. In weiteren Archiven finden sich Dokumente mit unterschiedlichen Aussagen: Artur Barasch sei am 1. Mai 1942 nach Oranienburg deportiert worden, er sei in Auschwitz umgekommen, er sei nach dem Osten deportiert worden, er sei am 6. April 1942 gestorben oder am 22. Dezember 1943, in welchem KZ, sei unbekannt. Zurzeit recherchieren alle relevanten Suchdienste und Archive, so auch Sachsenhausen, weiter nach Artur Baraschs Verbleib. Eine inhaltliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen ist in Planung.

Zum Gedenken an Else und Werner Barasch wird das Walther-Rathenau-Gymnasium in Berlin-Grunewald am 29. Juni 2014 Pate. Beide haben als Kinder diese Schule, die früher Grunewald-Gymnasium hieß, bis 1934 besucht, bevor sie dann von ihren Eltern ins Ausland gebracht wurden.

Das erste gemeinsame Projekt der politischen Bildung startete Anfang September. Acht Schülerinnen und Schüler schrieben das Fluchttagebuch von Werner Barasch ins Reine, damit es von Historikern geprüft werden kann. Die ersten Ergebnisse wurden am 22. September beim jährlichen Hoffest der Schule vorgestellt. Die Schülerinnen und Schüler lasen öffentlich aus dem Fluchttagebuch, aus Dokumenten zur Enteignung und Vertreibung der Familie von ihrem Grundstück Wissmannstraße 11 und zum Tod von Artur Barasch und informierten über die Patenschaft der Schule zum „Öffentlichen Bürgergarten der Erinnerung“. Damit ging ein wichtiger Aspekt der Vision – die aktive politische Auseinandersetzung junger Menschen mit der Zeit und den Folgen des Nationalsozialismus auf der Basis des authentischen Berichts von Werner Barasch und Dokumenten zur Verfolgung seiner Familie – in Erfüllung.

Am 21. Januar 2015 findet im Abgeordnetenhaus Berlin die jährliche Veranstaltung „Denk mal“ statt, bei der Schulen und jugendpolitische Initiativen ihre Projekte gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus im Plenarsaal vorstellen können. Bei dieser Veranstaltung möchten wir den Berliner Abgeordneten und der Öffentlichkeit zu Live-Musik die Lesung, Interviews mit den Nachkommen der Familie, einen im Garten gedrehten Film und die Vision des „Öffentlichen Bürgergartens der Erinnerung“ präsentieren.

Siehe: www.wrs-berlin.de

Am 6. Juli 2014 schreibt Antoinette Ross einen zweiten Brief an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin. Eine Antwort erhielt sie bis zum heutigen Tag nicht.

Dear Daniel and Ralf Schmitz,

thank you for your letter, which we received end of May. Of course, I have to admit, we had hoped for another message: a commitment to the „Public Memorial Garden“. Knowing about your activities as a sponsor of the Jewish Museum and appreciating your role in financing the newest edition of the book of my uncle Werner to realize a lecture of it at the Jewish Museum, we would have found it logically, that you may support a so complex project of political education as the „Public Memorial Garden“ promises to be.

In the last weeks a lot of personalities shared the idea of the Memorial Garden and became part of further developing the project. It was very moving for us, to know, that the memorial site of Sachsenhausen, the concentration camp, where our grandpa died in 1942, has adopted the project of the Memorial Garden in Wissmannstrasse. As well the Walther-Rathenau-Gymnasium, a school, where our mother Else and our uncle Werner studied, took an adoption of this idea. We are very intrigued by this engagement. And that pupils of this school now occupy themselves with the escape diary of Werner, is very, very moving.

Your plans for the house, that you like to build have the consequence, that the garden will be destroyed. Destroyed forever. It is one thing, that it was the garden of our grand parents and our mother and uncle; life always marches about grounds, who were vital for others. But, you know, the Memorial Garden could become a very special thing, a quiet place, a place of contemplation and peace, a place of dispute, contention and commemoration of jewish life in Berlin. I know and appreciate, that there are already wonderful places in Berlin. But this one could become very special. And you might become a part of it!

Therefore I would like to renew my request, my appeal, to agree at least to a moratorium. We know, that there are activities among all political parties in Berlin, including the one you are member of, to realize the idea of the Memorial Garden. So please give all of them via a Moratorium the time to find a solution. Or better, be yourself part of the solution.

Sincerely, Antoinette Ross

Die Familie Ross wird selbst mit einem künstlerischen Beitrag an ihre Großeltern und Eltern erinnern, der in der Wissmannstraße 11 installiert und dauerhaft sichtbar sein wird. 
Bauvorhaben und Fällantrag von Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin 

Der von Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA eingereichte Bauplan für die Wissmannstraße 11 in 14193 Berlin kann im Bau- und Wohnungsaufsichtsamt am Hohenzollerndamm 174-177 in 10713 Berlin (Zimmer 3135) am Dienstag und Freitag von 9-12 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 030 – 9029-16102 eingesehen werden. Aus ihm ist ersichtlich, dass für den Bau – bis auf die Rotbuche – alle Bäume auf dem Gartengrundstück gefällt werden müssten. Damit wäre ein „Biotop par excellence“, so bewerten Natur- und Umweltschützer den 1.500 qm großen Garten, vernichtet. Der Fällantrag wurde bereits gestellt. Ebenso der Antrag auf Befreiung vom Artenschutz.

Noch stehen die Bäume

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Noch zwitschern die Vögel…

Briefe von Politik, Freunden, Förderern und Familie Barasch-Ross an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin 

Politik

Am 24. Mai 2014 wendet sich der Politiker Philipp Mühlberg – SPD-Ortsverbände Grunewald und Schmargendorf – an Ralf Schmitz Immobilien mit der Bitte um einen Gesprächstermin zur Bürgergarten-Initiative. Ein Gespräch ist bis dato noch nicht zustande gekommen.

Freunde und Förderer

Freunde und Förderer des Bürgergartens – ihre Namen stehen hier auf der Homepage – wenden sich Mitte Juni an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58 10707 Berlin mit der „Bitte um ein Moratorium für den Öffentlichen Bürgergarten der Erinnerung“.

Sehr geehrter Herr Ralf Schmitz und sehr geehrter Herr Daniel Ralf Schmitz,

als Unterstützer/in der Idee eines „Öffentlichen Gartens der Erinnerung“ in der Wissmannstraße 11 in Berlin Grunewald wende ich mich heute an Sie ganz persönlich.

Vermutlich erscheint es Ihnen als eine Zumutung, sich in der jetzigen Phase der fortgeschrittenen Planung und absehbaren Bebauung des Grundstücks mit der Frage des Erhalts des Gartenareals als einem Erinnerungsort an eine jüdische Familie – stellvertretend für viele im Nationalsozialismus verjagte und ermordete Berliner Juden – befassen zu müssen.

Ich bin mir sicher, dass auch Ihnen das Schicksal so vieler jüdischer Familien am Herzen liegt und Sie die Erinnerung daran wachhalten wollen. Wahrscheinlich werden Sie argumentieren, dass es viele Erinnerungsorte an Verfolgte des Nationalsozialismus in Berlin gibt und auch viele jüdische Hauseigentümer, die möglicherweise dasselbe Schicksal getroffen hat, wie die Familie Barasch.

Damit haben Sie sicher Recht, aber es gibt nur noch wenige authentische Orte, an denen sich – zumal in diesem wunderschönen Gartengelände – beispielgebend ein lebendiger Lern- und Erinnerungsort einrichten ließe. Gerade in einem heute wie vor achtzig Jahren noblen Berliner Wohnviertel, in dem im ersten Viertel des letzten Jahrhunderts jüdische und nichtjüdische Berliner Familien Haus an Haus lebten, ohne dass die Religion sie voneinander trennte, soll jungen Menschen heute gezeigt werden, wie die damals brutale Ausgrenzung eines Teils der Berliner Bevölkerung von statten ging.

Außerdem handelt es sich um ein wunderschönes Fleckchen Erde, das zu bebauen einfach zu schade wäre, weil es das Ensemble von Haus und Garten endgültig zerstören würde.

Mir und den vielen Unterstützer/innen für dieses Projekt geht es im Moment darum, Sie zu bitten, eine Zeitlang den Prozess der Planung zu stoppen, um mit diesem Moratorium uns Unterstützer/innen die Chance einzuräumen, dem Projekt eines Erinnerungsgartens eine finanzielle Grundlage zu geben und für Sie eine angemessene Entschädigung bei der Rückgabe des Grundstücks z.B. an die öffentliche Hand zu finden.

In diesem Sinne hoffe ich auf Ihre Kooperationsbereitschaft und verbleibe mit erwartungsvollen Grüßen.

Auf diese Bitte um ein Moratorium hat Ralf Schmitz Immobilien bis dato nicht geantwortet.

Familie Barasch-Ross

Im Namen ihrer Brüder Chris und Alan schreibt Antoinette Ross am 9. Mai 2014 ihren ersten Brief an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA  Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin.

Dear Daniel and Ralf Schmitz, I am writing to you on behalf of my brothers and myself concerning the garden property at Wissmannstrausse 11 in Grunewald Berlin which you are planning on developing soon and have begun to submit plans to your „building department“.

My Grandfather Artur bought this property in 1921 where he raised his family with my Grandmother Irene. At the beginning of the war he was coerced into selling his estate to pay for the freedom of his wife and children. Irene Haas Barasch and her daughter Else Ross, were able to immigrate to the United States but my Uncle Werner was not so fortunate. He wrote the book „Survivor“ about his experiences escaping from 2 camps in Italy and France only to spend the last 5 years of the war in a camp in Spain. He was then able to join his mother and sister in the United States where he became a scientist. He wrote this book in English, German and Spanish. Weeks before his death, he was flown to Spain and honored for his book that was used in the schools.

In January I was notified by Barbara Gstaltmayr and Tom Mustroph about a fascinating idea of turning the garden in Grunwald into a „Public Memorial Garden“. This garden would welcome the citizens and particularly the youth of Berlin to reflect upon a time when the Jews where victims to the horrors of the Nazi reign. In the surrounding of natural beauty of old fruit and broadleaved trees, events could happen that would inspire a more peaceful future which embraces each others differences.

In March of this year Barbara Gstaltmayr organized a celebration of the idea of the „memorial garden“ with neighbors, politicians and journalists to honor the lives that were lost and disrupted by the war. Accompanied by singers who sang old jewish songs, two actors who read excerpts by uncle’s book and the local youth who cleaned up the site, the story was covered by the television station RBB and radio station Deutschlandfunk and RBB Inforadio. Many newspaper articles have been written in hopes of finding sponsors to obtain the funds to buy this property from you.

Barbara Gstaltmayr has had a lot of positive response concerning this idea. Politicians like the Federal President Joachim Gauck, members of the Senate of Berlin and the Berlin Parliament, Reinhard Naumann (Mayor), Marc Schulte (Municipal Councillor for Urban Renewal) and more local politicians of Charlottenburg Wilmersdorf, Prof. Dr. Nachama (Topographie des Terrors), Jochen Michalek (Protestant Church of Grunewald) and other very important persons have all been in support of her endeavor to make this happen.

My grandfather was a successful merchant and was able to make his fortune coming from very humble roots. He took very good care of his employees and provided an excellent education for his children. This was all taken away in an instant. You also are a businessmen and feel you must pay your employees and support your families. This I understand but I also see that there would be great honor for your families to save a space such as this garden for all future generations.

I live near and walk among the oldest and tallest trees on this planet and in the greater scheme in things, we humans are so inconsequential . Saving or planting trees is one of the greatest works for the betterment of all on this planet. If you decided to support and create this „Public Memorial Garden“ I’m sure you and your family would be honored by your generosity.

There are benches in the redwood groves where I walk that have ingrained in them the names of the people who saved these groves from being logged for housing. There are very fews redwoods left but the ones that are, remain because of the tireless effort of the people who are memorialized . As I sit on these benches, I always reflect the lives of these brave and fearless people who fought to keep these treasures.

Thank you for taking the time to hear my thoughts .

Sincerely, Antoinette Ross

Else und Werner Barasch

Else (links) und Werner (rechts), die beiden Kinder von Irene und Artur Barasch, in der Mitte Elses Tochter Antoinette mit ihrem Mann Randy und Sohn Tito

Bewegt von der Tatsache, dass der 18jährige Werner Barasch von Rom aus, wo er gerade die Schule beendet hatte, seine Flucht vor den Nazis antrat, schreiben die italienischen Freunde des Bürgergartens am 16. Juni 2014 an Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA, Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin. 

Egregi Signori Schmitz,

molti anni fa nel settembre 1938 un ragazzo tedesco di nome Werner Barasch viveva a Roma. Lì voleva studiare come i suoi coetanei, voleva vivere la sua gioventù, forse voleva danzare, cantare, amare ….

Purtroppo non sappiamo molto di più sulla sua vita a Roma oltre al fatto che sua madre è venuta alla ceremonia di laurea alla scuola di Werner e che lei ha ricevuto a Roma il terribile messaggio di non poter ritornare a Berlino dove la famiglia, ebrea, viveva in Wissmannstraße 11 in Grunewald. Se lei fosse ritornata lei sarebbe stata subito portata in campo di concentramento. Morte sicura ! La madre lasciava quindi Roma per salvarsi a Cuba.

Il figlio fuggiva da Roma dai nazisti che lo volevano arrestare. A Roma iniziava la sua fuga durata sette anni fino a quando lui raggiungeva la sua famiglia negli Stati Uniti di America. Qualche volta la storia ci è molto vicina.

Noi che sottoscriviamo questa lettera conosciamo bene da molti anni la villa, la rimessa e il giardino in Wissmannstraße 11. Conosciamo la storia della ebrea famiglia Barasch, sappiamo anche che il padre Artur è morto nel campo di concentramento a Sachsenhausen. Conosciamo questa storia dai nostri amici Barbara Gstaltmayr e Tom Mustroph.

Che triste collegamento tra Roma e Berlino, tra la nostra Italia e la vostra Germania. Ne siamo stati coinvolti 74 anni fa.

Ora abbiamo sentito che Lei ha comprato il terreno e vuole costruire lì una villa. Per fare questo Lei dovrà distruggere tutto il giardino. Ma come si può distruggere un terreno così prezioso sia dal punto di vista ambientale, sia dal punto di vista storico ?

Ci appelliamo pressantemente a Lei: La conservazione e salvaguardia di ogni giardino e angolo di verde nelle grandi città è sacrosanto; ci garantisce aria buona, la fauna e la flora e un angolo sereno dove rifugiarsi, l’emozione e la realtà di potere vedere e vivere la natura in mezzo alla città.

Quando il giardino è anche parte di un pezzo di storia della nostra città deve restare intatto a memoria di ciò che ha rappresentato per chi ci ha vissuto ma anche e soprattuto come testimonianza per tutti quelli che verranno.

Vi chiediamo di dare il Vostro personale e totale sostegno all’iniziativa civica per il „Pubblico giardino della memoria“ Rinunciando a realizzare nuove costruzioni e non sacrificando il giardino.

Solo salvare le tracce del passato ci permette una vita consapevole per un futuro di sapienza. Distinti saluti.

Fluchttagebuch von Werner Barasch

Auf seiner Flucht schrieb Werner Barasch vom 23. September 1940 bis Dezember 1943 ein Tagebuch. Das kleine, graue Buch fand sich am 6. Juni 2014 in seinen Entschädigungsakten im Entschädigungsamt am Fehrbelliner Platz 1. Vermutlich hat er es zusammen mit seinem Schweizer Flüchtlingspass der Behörde übergeben, um seine Flucht und die damit einhergehenden gesundheitlichen Spätfolgen nachweisen zu können. Ein erschütterndes Dokument, das er als 21 jähriger begann und von dessen Existenz auch seine in Kalifornien lebenden Familienangehörigen bis dahin nichts wussten.

Es handelt sich um eine Mischform aus Tagebuch und naturwissenschaftlichem Übungsheft. Von hinten her füllte er es mit mathematischen und chemischen Formeln und dem Periodensystem der Elemente; Werner Barasch wurde später den USA ein renommierter Naturwissenschaftler. In diesem Teil befinden sich auch Listen über „Essen, Vorrat, Gerichte, Zimmer, Min. Budget“. So als plante Werner Barasch mitten im Krieg, auf der Flucht, im Lager das normale Leben. Am Sonntag, den 18. Januar 1942 notierte er: „Lagertick: Listen.“

Die erste Seite seiner Aufzeichnung wird hier im Einverständnis mit seiner Familie sukzessive veröffentlicht. Die nicht lesbaren Stellen sind mit Auslassungspunkten gekennzeichnet. Das gesamte Fluchttagebuch kann auf Wunsch per Mail zugesandt werden.

23. Sept. Canebière. Verhöre. Verbrecheralbum. Pessy und Ausflüge. So. 29. ….. Flohplage. Vorbereitungen. Der Schwedische Konsul Sa. 12. Okt. 7.30 … Furchtbarer Eindruck unten. Harte Pritschen. Gestank. Ein lebenslänglicher Kandidat. Jose Sanz. 13, 14. Di. 15. Standpauke; 16., 17. Verbot. 18. Warten, krank melden, Bett. Sa 19. Okt. 4.30 Heller Mond. Schienen Aix, Marseille. Alles weg! E Weg! Aix, … 20.21. abwarten 22. Büro abgewiesen 22. Aix zu Fuss auf Schienen 23. Aix abgewiesen 24. Schlacht. zum Bauer 25. Marseille baden, Rad richten, schwer zurück. Haag 26. Grasweg, Aix. So 27 Regen, Pilze Mo 28 Okt. …. Sedéran 29. Nyon 30. Valence 31. Lyon 1. … Charelles Sa 2 Nov … 3. St. Marcel Ferme. Mo 4. Nov. … Di 26. Nov … 14. Dez weg 15. …. 16 Ancien 17.18. 19. A. Fr. 20. Ann Gare. Sa 21 Genf, Zürich So 22. Zürich 23. Genf 24. … So 22. Dez 1940 Schön geschlafen auf Sofa. Geheizt. Herrl. Frühstück u. Mittag. Mit Lili spielen. Nachher zu Herta. Reizende Geschenke. Frische Wäsche. Erzählt. Mit Joachim beschlossen und Guinand telephoniert. Heute abend ab und Sachen bei O. Georg! Angeläutet. Neu ausgerüstet. Ausgerechnet 2 1/2 Std. längster … seit Monaten und Bombardement in Zürich Örlikon. Im Stockdunkeln zum Bahnhof. Zug 1 1/2 Std. verspät. Mo 23. Schlechte Nacht im Zug. 7 Uhr früh Geneve …! Erklärungen. Komme trotz Versprechen nicht mehr zu Guinand sondern nach langen Fragen in frz. Signalement hinein: Sammelstelle. Gend. Meillesulaz. Schellen. Verzweifelt. Chef tröstet. In kalter Zelle aber viel Decken. 24. Briefe Joachim, Mutti … Zur Abfahrt ein Weihnachtsgeschenk in Fesseln. Ekelhafte Nacht im Zug. Valence Tarascon Narbonne Argelès Mi 25. Dort Rad nicht holen dürfen. Im Büro sehr … frdl. Abgenommen und eingesperrt. Menschenquälerei . .. I-9. Gepfeffertes Rübenwasser, dkl. Und kalt.

Interview von Werner Barasch 

Am 14. November 2001 gab Werner Barasch in San Francisco im Rahmen des „The Bay Area Holocaust Oral History Project“ ein 2-stündiges Interview über das Leben seiner Familie in Breslau und Berlin sowie über die Jahre seiner Flucht von 1938-1945.

Es findet sich unter http://collections.ushmm.org/search/catalog/irn511705

Erinnerungen von Lili Laksberger, Enkelin von Georg Barasch

Am Abend des 6. Juni 2014 telefoniert Barbara Gstaltmayr mit Lili Laksberger, Werners Nichte, die er im Tagebuch am 22. Dezember erwähnte und berichtet ihr von diesem Eintrag. Damals war sie 10 Jahre alt. Heute ist sie 82. Sie erinnert sich dunkel an Werners Besuch in Zürich. Herta, die Werner ebenfalls erwähnt, ist ihre Mutter, Joachim ihr Vater, O. Georg war Onkel Georg, ihr Großvater.

Lili Laksberger hat eine Halsentzündung und soll heute eigentlich nicht sprechen. Aber die Freude über die Spuren zurück in ihre Vergangenheit lassen sie erzählen: „Ich traf Werner zuletzt im Jahr 2000. Ich besuchte ihn mit meinen beiden Töchtern in seinem Holzhaus, wo er seit 1962 lebte. Er kochte uns Mayonnaise und ich war sehr beeindruckt, wie geschickt er Öl, Eier und die anderen Zutaten in einem Becher zusammen mixte. Aber mehr beeindruckt war ich noch von seinem Klavierspiel. He was a good fellow.“

Zum Ende des Telefonats singen Lili Laksberger und Barbara Gstaltmayr gemeinsam: „Ich habe es Dir ja gleich gesagt, die Wurst, die schmeckt nach Seife.“ Lili sagt: „Das Lied ist unser Geheimcode.“ Eine kleine Geschichte verbirgt sich dahinter. Als sie am 13. März 2014, dem Vorabend zur Gedenkfeier für die Familie Barasch im Garten der Wissmannstraße 11 zum allerersten Mal miteinander telefonierten, erzählte Lili Laksberger: „Als ich ein kleines Kind war, war ich sehr mager. Ich wollte nicht essen. I was not mothered. Meine Mutter hat mich nicht bemuttert. Sie konnte das nicht. Aber mein Großvater Georg hat mir, den Löffel vor den Mund haltend, um mich zum Essen zu verführen, immer dieses Liedchen vorgesungen: ‚Ich habe es Dir ja gleich gesagt, die Wurst die schmeckt nach Seife.’ Aber woher kommt dieses Lied, ich weiß es nicht mehr.“ Gemeinsam fanden sie heraus: es ist eine Parodie auf den Zigeunerchor aus Verdis Oper „Troubadour“. „Ah“, sagte Lili Laksberger, „als wir in Ecuador lebten, hörten meine Mutter, mein Onkel und die Großeltern am Abend die Opern, die von Europa ausgestrahlt wurden, während ich oben in meinem Bett versuchte einzuschlafen.“

Kurz nach dem Telefonat schickt sie Barbara Gstaltmayr eine Mail. Sie schreibt: ‚Es ist so schoen wieder Deutsch to sprechen!! Es fuelt gut!!! Es kommt wieder zu mich, wie ein Guten Freund. Love, Lili

Sie möchten Lili Laksberger sehen? Sie ist das kleine Mädchen im weißen Kleid auf dem Schoß ihres Vaters hier oder auf dem Foto ganz am Ende dieser Seite. Aber auch an manch anderen Stellen auf der Homepage ist sie zu entdecken ….

family sharp

Kunstprojekte für den Bürgergarten

Mehr als gestern, weniger als morgen

Die Berliner Künstler Jörn J. Burmester, Florian Feigl und Hans Hs Winkler entwickeln eine ortsspezifische Intervention für den Garten der Familie Barasch. Sie erkunden die Spuren, die frühere Bewohner, Besucher, Eindringlinge, Tiere, natürliche Prozesse und der Verlauf der Zeit hinterlassen haben und schreiben sie weiter. Aus gefundenen Materialien arrangieren sie in einer performativen Kooperation eine vergängliche Installation, die die Geschichte und die Geister des Ortes ebenso adressiert wie zeitgenössische Zuschauer und Passanten. www.joernburmester.de  –  www.florianfeigl.com  –  www.hswinkler.de

Lesung und Diskussion „ENTRONNEN – ein dokumentarischer Bericht“

von Tom Mustroph Im Mai 2014 wurde in der Entschädigungsbehörde Berlin das Tagebuch von Werner Barasch entdeckt. In ihm notierte er von 1940-1942 seine Erlebnisse als Gefangener in Konzentrations- und Arbeitslagern und seine Fluchten durch Italien, Schweiz, Frankreich und Spanien bis zu seiner Rettung in die Vereinigten Staaten von Amerika. Auf der Grundlage von Werner Baraschs autobiographischen Skizzen der Jahre 1938 bis 1946, beginnend mit seiner Kindheit und Jugend in der Wissmannstraße 11, den Tagebuchnotizen, den Entschädigungsakten und den Erinnerungen seiner Familie erstellt der Journalist und Dramaturg Tom Mustroph einen dokumentarischen Bericht. Dieser, der einher geht mit einer öffentlichen Diskussion zum „Bürgergarten der Erinnerung“, entsteht in deutscher und italienischer Sprache für die Sophiensaele Berlin, das FFT Forum Freies Theater Düsseldorf, das Teatro Valle in Rom und das Teatro Biondo in Palermo. Mit: Holger Foest (Schauspieler), Marie Rodewald (Regisseurin), Claudia van Hasselt (Sängerin) und Rebecca Lenton (Musikerin)

Vom Gleis 17

Film von André Poser, Blue Lights Heaven Production Die Villenkolonie Grunewald mit ihren positiven und negativen Seiten lässt uns mit den erhalten Spuren der 20ziger Jahren zu einer Reise in die Vergangenheit aufbrechen: seien es die herrschaftlichen Villen, die offenen Gärten mit ihrer traumhaften Lage und der Aufforderung in ihnen zu verweilen, die Straßen, die erhellt von den Gaslaternen durch den Schattenfall der Bäume eine außergewöhnliche Ausstrahlungskraft erzeugen. Wir gehen einen Weg, der einst für viele der letzte Weg war. Wir laufen zum Gleis 17 am Bahnhof Grunewald, wo zwischen 1941 und 1945 die meisten der 50.000 Berliner Juden in Vernichtungslager deportiert worden. Unter Ihnen viele jüdische Menschen, die dem Land seine damalige kulturelle/künstlerische/gewerbliche Vielfalt gaben, auch jüdische Bürger, die der Villenkolonie Grunewald zu ihrer Einzigartigkeit verhalfen. Aber auch viele andere jüdische Menschen aus Deutschland, unter ihnen war mein Großonkel Hermann Steinberg, der von hier nach Auschwitz deportiert wurde. Viele, die diesen beschwerlichen Weg gehen mussten, wussten nichts von den Menschen die hier lebten: Isodora Duncan (Wegbereiterin des modernen sinfonischen Ausdruckstanzes), Artur Barasch (Inhaber der Warenhauskette Gebrüder Barasch), Robert Graetz (Teilhaber der Bekleidungsfirma Glass&Graetz), Samuel Fischer (Verleger von Gerhardt Hauptmann, Arthur Schnitzler, Herman Hesse und Hugo von Hofmannsthal). Hermann Steinberg kannte keinen Bewohner in der Villenkolonie. Aber vielleicht fragte er sich: „Wem gehört diese helle weitläufige Villa in der Erdener Straße 8, die Gründerzeit-Villa in der Erdener Str.13, die rote Backsteinvilla in der Wissmannstraße 11 mit seinem noch erhaltenen Garten? Oder gehören die Besitzer auch zu denen, die an diesem Tag deportiert werden? Der Film ist eine Liebeserklärung an die vergessenen Menschen, die diese prachtvollen Villen mit ihren Parkanlagen und Gärten einst bewohnten. Er ist eine Erinnerung an ihre Geschichte.

Gedenkfeier am 14. März 2014 im Garten –  RBB Abendschau  und RBB Inforadio berichteten

Am 14. März fand im Garten die erste Gedenkfeier für die Familie Barasch statt. Im Beisein von Freunden, Nachbarn, Politikern und Vertretern der evangelischen Kirche Grunewald spielte Sergio Cotoblanco Lautenmusik. Die Schauspieler Marie Rodewaldt und Holger Foest lasen aus dem Buch „Entronnen“ von Werner Barasch signifikante Passagen über dessen Leben in der Wissmannstraße 11, seine siebenjährige Flucht vor den Nazis und das Wiedersehen mit seiner Familie in den USA. Am Gleis 17 legten die Gäste Blumen und die Sopranistin Katia Guedes sang ein Lied für Artur Barasch.

Tito Ross ist der in Kalifornien lebende Urenkel von Artur Barasch. Dieser Brief wurde während der Gedenkfeier vorgelesen.

March 14, 2014

Hello Barbara, I wonder if we could highlight the importance of Survival by Else and Werner and the continuation of a family.  Once my wife and I have a child that can understand the importance we will travel to Berlin and show the fight that our family took to let us become possible.

Thank you so much for your incredible efforts to dedicate this public garden to my great grandfather, Artur Barasch. My great uncle Werner and my grandmother Else shared their stories with me about their family back in Germany and about their incredible journey of survival. These powerful stories have influenced my life and ingrained in me an enormous appreciation for my family heritage.

I look forward to being able to pass these same stories down to my future children and take them to walk the same gardens that my grandmother walked as a young girl. By dedicating this garden to the Barasch family, you are elevating our story and ensuring that it is remembered by generations to come.

Thank you so much, hope today is a lovely memorial, wish we could be there! Tito Ross

Brief von Lili Laksberger, Enkelin von Georg Barasch und Cousine von Antoinette Ross

January 6, 2014

Hello Barbara and Tom what a wonderful experience I’ve had this morning- reading the „forward message“ from Toni – all about my family in Germany.

Let me tell you something about myself so you understand how I fit into the family. I am related to Georg Barasch – he was my grandfather, brother of Artur Barasch. I was in close contact with Werner, (no longer living,  his sister, Elsie (who died recently) and now Toni, one of Elsie’s children. My mother was Georg’s daughter and I loved him very much. I was born in Switzerland (Zurich) and when I was 9 years old – we left (probably due to the Hitler threat – because my parents were both German Jews).

My mother, Uncle Erich and grandparents lived in Ecuador for two years. My father and my sister were to follow but then the war broke out and my father and sister could not follow because America would not allow anyone out of the country – after Pearl Harbor.

That you are now living in the „garden house“ which is wonderful to know… and I’d like to be a part of what is going on in the land my mother and my sister was born. It would be wonderful if we could correspond and I could be a part of what is happening in „the garden of the Barasch family“. I attached my birthday photo (turned 82 in October) and also the much treasured photo I have of my family – I’m the little one with the white dress – sitting on my father’s lap. Artur and Irene Barasch are on the right – my mother and sister (Hanni) on the sofa,  and my beloved Opa (Georg) next to Hanni…..

You’ve made my day!!!!

love, cousin Lili

Enkelin Lili Laksberger

Lili Laksberger an ihrem Geburtstag 2013

Nachruf auf Dr. Else Ross (geb. Barasch), gestorben am 23. Oktober 2012 in Napa, geschrieben von ihrer Tochter Antoinette

Else ca. 60

Dr. Else Ross lived 95 vibrant and active years, and died of natural causes on Oct. 23, 2012, in Napa. Born in Breslau, Germany in 1917, Else and her younger brother, Werner, were encouraged to work hard and achieve ambitious goals at a young age. Their parents, Arthur and Irene Barasch, were successful business owners, maintaining one of the largest department stores in Germany. When Else was 17, her family came under fire due to her Jewish ancestry, and it was arranged for her to enter the U.S. on a student visa.

Upon arrival to this country, Else’s ambitious determination lead her to become one of the few females to be accepted into medical school in Louisville, Ky. Upon graduation, Else sought out the support of the Quaker community to bring her mother, and then brother (just released from a camp in Spain), to safety in the U.S. Her father had been killed in a German concentration camp during the war.

Else met her first husband, Carl Joseph Ross, in New Orleans, during her medical internship and they moved to Richmond, Calif., where she began her general practice. They began a family with the birth of two sons and a daughter. Else believed in the obligation to support underserved communities and provide access to health care where it was most needed.

At 5’ 2”, Dr. Else Ross was always on call and never hesitated to go where she was needed at all hours of the night. Her ability to speak four languages, allowed her to fill a need in the Spanish-speaking community. Many of her patients were unable to pay for her services, so the Ross household had many fresh fruits and vegetables. Always a staunch advocate for women’s reproductive health and choice, she worked as the sole staff person at a family planning clinic in Richmond. Else encouraged single female patients to say they were married and their husbands left them in order to obtain necessary birth control.

At age 45, Else returned to school and became double-boarded in psychiatry and neurology. Now divorced, she met her second husband, Jack Salter, while attending folk dancing and French conversation classes in Berkeley, Calif. Else and Jack’s 35-year partnership brought great joy and fulfillment to both of their lives, sharing their love of dance travel and nature.

While Else worked at Napa State Hospital, she and Jack enjoyed their home near the top of Mt.Veeder where they rode horses, raised rabbits, a garden, and hunted mushrooms. She volunteered her medical skills for the first Clinic Ole in Yountville. After Jack had a stroke in 2000, they moved to the town of Napa, where Else cared for Jack until he died a year later.

Else was a member of the Unitarian Universalist Fellowship; and loved music, folk dance, theater, friends and exercising daily at Healthquest, which she did up until a week before she died.

Else is survived by her three children, Chris, Alan, and Toni; six grandchildren, Cory, Stacey, Lesley, Tito, Wesley, and Hannah; and her two great-grandchildren, Tyler and Bailey, and cousins Lily.

Else was truly an inspiration for living a good life and contributing to the well-being of others.

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